Mein Medientipp

von Sarah Herhausen, Bibliothekszentrale Hagen

Bella, Ciao! – oder doch bis bald?!

Der stetige Glaube daran, ein Glückspilz zu sein, lässt den Professor, wie er sich nennt, einen einmaligen Coup durchziehen: Er schleust eine Gruppe aus Gaunern in die spanische Notendruckerei, lässt sie Geiseln nehmen und mit deren Hilfe so viel Geld drucken, bis zwei Milliarden Euro beisammen sind. Es soll der größte Bankraub der Weltgeschichte werden.

Die Netflix-Serie Haus des Geldes (Orig. La casa de papel) fesselt ihre Zuschauer, weil sie so viel facettenreicher ist als vieles, das derzeit zu sehen ist. Sie hat Thrill, ist aber gleichsam schwermütig; sie ist lustig und dabei traurig; sie kann laut, rasend, tobend erzählen, aber ebenso leise und feinsinnig die kleinen Momente einer großen Liebe einfangen. Sie ist, wie ihre Figuren sind: weder gut noch böse, irgendwo zwischen Geisel und Geiselnehmer, changierend, niemals stereotyp.

Álex Pinas Serie ist unglaublich sehenswert, was aber nicht nur an den erwähnten Figuren liegt. Der Erzählstil der Serie ist multiperspektivisch und bricht den Handlungsverlauf immer wieder auf. Die Erzählstimme der Diebin Tokyo führt retrospektiv durch die Geschichte. Der Zuschauer befindet sich aber permanent in einer Handlung, die präsentisch und chronologisch dargestellt wird, jedoch ohne deren Vorgeschichte zu kennen. Ähnlich wie im Film Memento (Christopher Nolan, 2000) begreift der Zuschauer den kompletten Kontext erst durch Erinnerungen und Rückblenden, die die dritte zeitliche Erzählperspektive öffnen.

Was so umständlich klingt, realisiert die Serie mit einem punktgenauen Gespür für Timing vollkommen und ohne spürbare Brüche. Die verschiedenen Perspektiven bringen der Serie die Frische und Spannung, die man bei anderen Gaunergeschichten nach Ocean’s 11 stets vermisst.

Gerahmt wird die Serie durch das italienische Partisanenlied Bella Ciao. Als Hymne der kommunistischen und antifaschistischen Bewegung nimmt es direkten Bezug zum Plot der Serie – und wird, ganz nebenbei, in einem Remix vom Produzenten Hugel zum Sommerhit des Jahres.

Doch von Bella Ciao kann keineswegs die Reden sein: im Frühjahr bestätigte Netflix bereits eine Fortsetzung der Serie um eine dritte Staffel, Release 2019. Wir dürfen gespannt sein, denn Staffel zwei schließt eigentlich mit einem runden Ende ab…

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Bildquelle: www.netflix.com

Haus des Geldes. Serie, Netflix, 2017.

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