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Vor 300 Vertretern aus Politik, Wissensachaft und Wirtschaft wurde Ilona Huppert (2.v.l.) im Festsaal der Dresdner Bank mit dem Preis in der Kategorie
Vor 300 Vertretern aus Politik, Wissensachaft und Wirtschaft wurde Ilona Huppert (2.v.l.) im Festsaal der Dresdner Bank mit dem Preis in der Kategorie "Junge Wissenschaft" ausgezeichnet(Download )
28.01.2009

Eine Schraube ist eine Schraube ist eine Schraube

Zweifache Preisträgerin arbeitet sich von der Werkstudentin zur Abteilungsleiterin.

In ihrer Diplomarbeit an der Soester Fachhochschule entwickelte Ilona Huppert die Datenbank EASYCLASS, die Sprachbarrieren in der Industrie beseitigt. Nach dem "Soester Innovationspreis" wurde die Hammerin hierfür jetzt auch vom Deutschen Institut für Normung e.V. (DIN) mit dem Preis "Junge Wissenschaft" ausgezeichnet.

In ihrer Diplomarbeit an der Soester Fachhochschule entwickelte Ilona Huppert die Datenbank EASYCLASS, die Sprachbarrieren in der Industrie beseitigt. Nach dem „Soester Innovationspreis“ wurde die Hammerin hierfür jetzt auch vom Deutschen Institut für Normung e.V. (DIN) mit dem Preis „Junge Wissenschaft“ ausgezeichnet.

Babylonische Verhältnisse sind sprichwörtlich geworden und aktueller denn je: Wissenschaftler bezeichnen Sprachprobleme als größte Herausforderung der Globalisierung. Als Werkstudentin bei Bucyrus DBT Europe GmbH Lünen lernte Illona Huppert (39) diese Problematik ganz praktisch kennen. Der weltweit operierende Konzern mit etwa 6.500 Mitarbeitern (davon 900 in Lünen) und einem Gesamtumsatz in Höhe von 2,45 Mrd. US-Dollar ist Markt- und Technologieführer von Bergbauausrüstungen für die Gewinnung von Rohstoffen und hat mehrere Niederlassungen auf jedem einzelnen Kontinent.
Anders als in der Medizin gibt es in der Technik keine vereinheitlichte Fachsprache in Latein, Altgriechisch oder Englisch. Dies erschwert die genaue Benennung von Einzelteilen und damit nicht nur die Kommunikation, sondern vor allem das Auffinden von Daten und Dokumenten in EDV-Systemen. Ingenieure suchen lange nach bestimmten Datensätzen und legen Dubletten an, wenn sie nicht den richtigen finden. So entstehen vermeidbare Kosten gleich auf zweifache Weise.
Bei der Arbeit von Frau Huppert geht es dabei um eine Methode zur Vermeidung der Begriffsvielfalt im internationalen Sprachwirrwar, erläutert Prof. Dr. Hermann Josef Elias. „Sie hatte einfach eine tolle Idee“, schwärmt der Soester Dozent. „Basierend auf den Vorgaben des ISO-Instituts hat sie eine Datenbank entwickelt, in der Maschinenelemente nach einer eindeutigen Klassifikation aufzufinden sind.“ 1:1-Übersetzungen sind nicht möglich und einfache Übersetzungstabellen führen zu hohen Fehlerquellen mit entsprechenden Kosten. Mittels der Klassifikation von Frau Huppert kann der globale Produktdatenaustausch eindeutig, präzise und schnell vonstatten gehen. Die Bezeichnung "Zylinderschraube mit Innensechskant nach ISO 4762" lässt sich unverwechselbar in andere Sprachen übersetzen, unterstützt durch eine eindeutige Abbildung.
Illona Hupperts hat keineswegs ein geradliniges Studium hingelegt: Drei Kinder hat sie zur Welt gebracht, Verwandte gepflegt und ein Haus gebaut. Der Einsatz der engagierten verheirateten Mutter hat sich dafür gleich mehrfach gelohnt: Neben Urkunden und Preisgeldern ist die 39-jährige heute Abteilungsleiterin bei Bucyrus. „Dies ist auch ein Preis für Soester Fachhochschule“ stellt Illona Hupperts anläßlich ihrer Auszeichnung fest; alle übrigen Preisträger kamen von Universitäten und teilweise wurden Promotionen ausgezeichnet.
In der Bibel heißt es übrigens: „Eine Sprache haben sie alle. Jetzt wird ihnen nichts mehr unerreichbar sein, was sie sich auch vornehmen.“ Und das Sprachwirrwarr bedeutet das Ende des Turmbaus.

Vor 300 hochrangigen Vertretern aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft wurde Ilona Huppert (Fachhochschule Soest, 3.v.r.) im Festsaal der Dresdner Bank am Brandenburger Tor mit dem Preis in der Kategorie „Junge Wissenschaft“ ausgezeichnet. Weitere Preisträger waren Dr. Frank Hänsel und Felix Reinbold (beide TU Braunschweig), Daniel Kaspar (TU Berlin), Renata Wanka-Enikeeva (Universität Erlangen-Nürnberg) und Thomas Hirsch (RWTH Aachen).