Anne Freitag, Maschinenbau (B.Eng.)

blickt zurück auf ihren beruflichen Werdegang

Mein Name ist Anne Freitag. Ich habe vor zwei Jahren mein Bachelorstudium im Bereich Maschinenbau an der Fachhochschule Südwestfalen in Soest erfolgreich beendet.
Ich werde hier von meinem Werdegang von der Schule, über Ausbildung und Studium bis zum Beruf berichten. Fragen beantworten, die sich mir gestellt haben und auch von meinen Erfahrungen als „Quotenfrau“ erzählen. Schon mit 14 Jahren war mein Berufswunsch Ingenieurin zu werden. Aus diesem Grund habe ich nach dem Realschulabschluss erst einmal eine Ausbildung im technischen Bereich absolviert, um somit eine gute Basis für Studium und Beruf zu haben. Danach holte ich mein Fachabitur nach, um anschließend ein Studium in Bereich Maschinenbau aufzunehmen. Um dieses Ziel zu erreichen, musste ich auch einige Zweifel überwinden und mich immer wieder als Frau in einem männerdominierten Beruf beweisen. Dadurch habe ich mich persönlich stark weiterentwickelt.
Nach dem Fachabitur ergab sich die Frage, an welcher Universität oder Fachhochschule ich studieren sollte. Ich wusste aber schnell, dass eine kleine Fachhochschule für mich eher in Frage kommt als eine Universität. Die Vorteile von kleinen Gruppen und guten Kontakt zu den Professoren (der teilweise bis heute erhalten geblieben ist) haben sich dabei für mich bestätigt.
Im Studium habe ich gute Freunde gefunden, mit denen ich bis heute und trotz größerer Entfernung viel Kontakt habe. Wenn wir uns sehen, erinnern wir uns gerne an die Zeit an der FH Soest zurück.
Als es aufs Studienende zuging, musste ich entscheiden, wo ich meine Bachelorarbeit schreiben sollte. Ich bin nach Bonn gezogen und habe meine Bachelorarbeit bei der Firma Miele in Euskirchen begonnen. Dort habe ich mich direkt wohl gefühlt. Das junge, engagierte Team hat mich mit seiner rheinländischen Art sofort herzlich aufgenommen. Bei der Bachelorarbeit habe ich mich mit der Optimierung bzw. den Ersatz eines bestehenden Produktes beschäftigt. Bis heute betreue ich dieses Projekt und kann so den kompletten Prozess eines Produktes, von der ersten Idee bis zur Serienreife, miterleben. Wie man daraus schon hört, wurde ich von Miele als Entwicklungsingenieurin übernommen. Für mich ist das bisher mein Traumjob – sowohl in Bezug auf meine Aufgaben als auch auf das Arbeitsumfeld.
Zum Schluss möchte ich noch auf einige Fragen eingehen, die sich mir auf dem beruflichen Werdegang gestellt haben:

Fachhochschule oder Universität?

Ich habe ja bereits erwähnt, dass mir der persönliche Kontakt und die kleinen Gruppen sehr gut gefallen haben. Allerdings muss man auch wissen, welchen Weg man später einschlagen möchte.
Mein Arbeitgeber stellt gerne Absolventen ein, die einen ähnlichen Werdegang wie ich haben. Wer später mehr in der Forschung oder in der Führungsebene arbeiten möchte, sollte die Universität breiter aufgestellt.

Bachelor oder Master?

Natürlich gab es nach dem Abschluss für mich auch die Frage: „Was nun? Mache ich einen Master und wenn ja wo? Starte ich direkt ins Berufsleben oder gehe ich vielleicht sogar ins Ausland?“
Da mir die praktische Arbeit sehr viel mehr Spaß macht, habe ich mich entschieden, nach dem Bachelor direkt ins Berufsleben einzusteigen. Im Vergleich zu Freunden und Kommilitonen, die ein Masterstudium erfolgreich beendet haben, sehe ich bisher für mich keine Nachteile. In den zwei Jahren bei Miele habe ich sehr viel gelernt und mich weiterentwickelt. Zusammenfassend geht es immer um die eigenen Ziele: „Wo will ich hin?“. Wer später nicht unbedingt eine Abteilung leiten möchte oder noch weiter aufsteigen will, ist auch mit einem Bachelor ausreichend qualifiziert. Was auf jeden Fall sicher ist, ob man nun nach dem Bachelor oder dem Master ins Berufsleben einsteigt, in den ersten Jahren im Unternehmen entwickelt man sich deutlich weiter. Die Aufgaben sind gerade in der Industrie sehr unterschiedlich und vielfältig und können somit nicht vom allgemeinen Maschinebaustudium abgedeckt werden. Weiterhin ist der Beruf durch den technischen Fortschritt immer im Wandel. Man muss sich also ständig weiterbilden. Das Studium bildet hier nur die Grundlage und das Werkzeuge.

Einen „Männerberuf“ als Frau

Ich denke, man benötigt eine gewisse Durchsetzungsfähigkeit, um sich als Frau zu behaupten. Deshalb glaube ich, dass man als Frau schon eine gewisse Leidenschaft für den Beruf benötigt. Ich muss mich den Vorurteilen in diesem Beruf stellen. Es gibt aber auch viele positive Reaktionen auf meine Berufswahl.

Steckbrief

Name: Anne Freitag
Alter: 26
Studienfach: Maschinenbau
Studienort: Soest
Abschlussjahr: WS 2013/2014
Abschluss: Bachelor of Engineering
Erster Job: Entwicklungsingenieurin Miele & Cie KG Euskirchen
Jetzige Position: dto.

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