Interview

Was die Wirtschaft vom Profifußball lernen kann

Prof. Dr. Ralf Lanwehr hielt eine spannende Antrittsvorlesung im Rahmen der Mescheder Hochschulreferate. Im Interview spricht er über Analogien in der Führung von Fußballmannschaften und Unternehmen

Was können Fußballtrainer von Managern lernen?

Da geht es meistens um Fragen der Ansprache von Gruppen. Ich gebe Ihnen ein Beispiel. Trainer sagen gerne „Meine Tür steht immer offen“. Im Führungsjargon ist das oft eine Plattitüde. Man kann es übersetzen mit „Ich habe keine Lust, aktiv zu kommunizieren“. Der Mitarbeiter muss anklopfen und reinkommen, weil die Tür eben in der Regel nicht offen ist. Der Trainer sollte lieber selbst die Initiative ergreifen und auf die Spieler zugehen. Eigentlich geht es doch darum, Mitarbeiter oder Spieler wertzuschätzen. Deshalb frage ich in diesem Fall: Wann haben Sie sich das letzte Mal erkundigt, wie es einem Spieler geht? Wann haben Sie Aufmerksamkeit gezeigt oder vielleicht jemandem geholfen? Interessieren Sie sich wirklich für Ihre Leute? „Meine Tür steht offen“ kann das genaue Gegenteil bedeuten.

Und was können Manager vom Fußball lernen?

Im Fußball hört man häufig: „Ein Tor entsteht immer nach einem Fehler!“. Das ist gefährlich. Wer sich auf das Nicht-Fehlermachen konzentriert, erzeugt Angst vor Misserfolg. Eine inhaltliche Arbeit ist dann schwieriger, weil angstbehaftet. Vergleichbare Situationen entstehen, wenn ein Unternehmen rein ergebnisorientiert arbeitet. So kann eine Mannschaft aber nicht experimentieren und offensiv nach vorn spielen. Also ist es besser, Versuche wertzuschätzen und Mitarbeiter Fehler machen zu lassen.

Was meinen Sie mit „Kooperationskultur“?

Wenn Unternehmen langfristig erfolgreich sein wollen, sollten sie aktiv kooperatives Verhalten fördern. Ideale Mitarbeiter sind in diesem Sinne solche vom Typus „erfolgreiche Geber“, die geben, wenn es für die Organisation am Besten ist. Übertragen auf den Fußball sind es Spieler, die den Ball vor dem Tor zum besser postierten Mitspieler passen.

Spielen Sie selbst Fußball?

Ja, bis heute. Mehr als die Kreisliga B ist aber nicht mehr drin und die Uhr tickt. Eine große Karriere als Profi blieb vollkommen verdientermaßen aus.

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Im Buch „Spielfeld Arbeitsplatz“ erläutert Lanwehr mit den Kollegen Staar und Voelpel modernes Management anhand von Beispielen aus dem Profifußball. Weitere Informationen unter www.kicking-leadership.de

Prof, Dr. Ralf Lanwehr ist Professor für Internationales Management an der Fachhochschule Südwestfalen. Zur Person

Die Mescheder Hochschulreferate haben als allgemein verständliche Vorträge aus verschiedensten Wissenschaftsbereichen bereits eine langjährige Tradition. Sie richten sich nicht nur an Studierende, sondern auch an Unternehmen und Institutionen oder einfach generell an Interessierte. Weitere Informationen

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