Game based Learning im virtuellen Unternehmen

Rund 100 Studierende rangen im Online-Logistikplanspiel um Erkenntnisgewinn

Logistikplanpspiel wegen Pandemie online

Samstagmorgen, 8.30 Uhr – nicht die Zeit, in der man üblicherweise viele Studierende in Vorlesungen oder Seminaren antrifft. Am 5. Dezember 2020 ist das anders: Rund 100 Studierende sind früh aufgestanden und beteiligen sich am Online-Logistikplanspiel von Prof. Dr. Stefan Lier und seinem Team. Auch wenn es Professor Lier anders lieber gewesen wäre: „Im Normalfall hätten wir uns heute alle zum großen Planspieltag mit unserem haptischen Logistikspiel in Meschede getroffen.“ Aber was ist in der Corona-Pandemie schon normal?

Simulation des Supply Chain Management eines Unternehmens

Deshalb wird mittels Online-Spiel und Videokonferenz das Supply Chain Management eines Unternehmens simuliert. Die Studierenden müssen Entscheidungen für einen Hersteller von Fruchtsäften treffen, der in den roten Zahlen ist. Einen vierstelligen Betrag hat der Mescheder Fachbereich auf Wunsch von Lier in ein sehr realitätsnahes virtuelles Planspiel investiert. „Mir ist es wichtig gewesen, das Planspiel als interaktives Element unseres Kurses durchzuführen.“ Seiner Erfahrung nach entwickeln Studierende so nachhaltig die größten Handlungskompetenzen und besten Lernergebnisse. Game based learning nennt man das im didaktischen Fachjargon.

Einkauf, Vertrieb, Produktion und Lieferkettenmanagement.

Nach kurzer Vorrede geht es direkt ins Spiel. Sechs Spielleiter*innen betreuen 24 Studierendengruppen. Jede Gruppe muss vier Rollen besetzen: Einkauf, Vertrieb, Produktion und Lieferkettenmanagement. In jeder Rolle sind Entscheidungen zu treffen. Das Ziel ist es, die Rendite des Unternehmens zu verbessern. Die erste Runde ist ein Freischuss, ab dann zählt jede Entscheidung. Diejenige Gruppe gewinnt, die am Ende den besten Return on Investment erzielt.

Köpfe rauchen online

Schon in der ersten Runde rauchen in den Zoom-Meetings der Gruppen fast sichtbar die Köpfe. Wo stellt man die Produktqualität ein? Sollen wir mal die Lieferzuverlässigkeit hochsetzen? Oder nicht? Das Lager größer? Oder doch weniger Palettenstellplätze? Das Rohstofflager ist zu voll, oder? Wieso sinkt der Vertragsindex beim Kunden, wenn wir das Frischeversprechen senken? Was waren nochmal die Ziele des Unternehmens? Vorsichtig tasten sich die Studierenden heran. Nach der ersten Runde haben manche mit ihren Entscheidungen das Unternehmensergebnis leicht verbessert, andere es erheblich verschlechtert.

Sehr realitätsnah

„Ich fand es interessant, dass es so realitätsnah ist“, erzählt im Nachgang Teilnehmerin Ilayda Erol. „Man konnte auch aus falschen Entscheidungen lernen.“ Vor allem musste man nach ihrer Ansicht erkennen, wie die Entscheidungen in jeder Rolle das Gesamtergebnis beeinflussen und dieses in der Gruppe diskutieren, um nicht gegeneinander zu arbeiten. Das Problem dabei: Von Runde zu Runde steigen die Freiheitsgrade im Spiel und damit die Zahl der möglichen Entscheidungen. Die letzte Runde wird für den Wettbewerb der Gruppen doppelt gerechnet. Auch kleine Änderungen können nun zu größeren Folgen für das Gesamtergebnis der Gruppe führen. Erol und ihre Gruppe haben das Problem aber offenbar gut gelöst, denn sie verbessern die Rendite des Unternehmens so, dass sie am Ende auf dem zweiten Platz landen. „Ich habe mich richtig gefreut und hätte nicht gedacht, dass wir so erfolgreich werden. Es war anstrengend, aber ich würde es auf jeden Fall weiterempfehlen.“

Logistik und Wirtschaft studieren

an der Fachhochschule Südwestfalen

Game based learning

Unter Game based learning versteht man die Wissensvermittlung mit Hilfe von Lernspielen. Grundsätzlich soll die Verbindung von Spaß und Lernen, Herausforderungen und Belohnungen die Motivation der Teilnehmenden erhöhen.

Seit mehreren Jahren spielt das Mescheder Logistik-Team mit guten Erfahrungen ein Logistik-Planspiel als haptisches Spiel im Unterricht. Auch hier handelt es sich um eine Unternehmenssimulation, in welcher Rollen eingenommen, Aufgaben bewältigt werden und das Unternehmen in mehreren Zyklen optimiert wird.

Learning by doing – Planspiele ermöglichen es, Lerninhalte in Spielaufgaben zu modellieren. Vor einer Methode oder Vorgehensweise steht so eine konkrete Problemstellung, welche motiviert. Die „Spieler“ eignen sich selbst neues Wissen, Zusammenhänge und Entscheidungs- und Handlungsprozesse an, diskutieren dies und treffen darauf aufbauend Entscheidungen. Anhand der Konsequenzen dieser Entscheidungen im Spielverlauf erfolgt erfahrungsbasiertes Lernen. Dabei werden Selbständigkeit, Selbstverantwortung und Teamfähigkeit gefördert. Ergänzt werden die eigenen erlebten Ergebnisse durch die Analyse von Zusammenhänge und Wirkungen in den Feedbackrunden.